Zeit ist…

Hast du auch schon mal dein Zeitgefühl verloren? Nicht nur ein Mal, oder? Und hattest du dabei wirklich das Gefühl, Zeit verloren zu haben? Oder hast du die vermeintlich verlorene Zeit nicht einfach viel intensiver erlebt?

Ich saß neulich mit meinen Freunden zusammen. Es war sehr spontan und zum ersten Mal seit der Quarantäne gab es uns wieder in dieser Konstellation. Es roch förmlich nach einem perfekten Abend. Wir waren bester Laune, saßen auf der Terrasse, genehmigten uns das ein oder andere Glas Wein (der Kaffee hatte Pause) und waren einfach froh in dieser Runde den Abend zu verbringen. Unsere Gespräche enthielten wohl alles, was uns in den letzten Wochen bewegte. Lustige Anekdoten, genauso wie das aktuell wenig erfreuliche Weltgeschehen. Und trotzdem blieb die Stimmung oben. Wir waren vollkommen im Moment und plötzlich war es halb vier am Morgen als einer von uns auf die Uhr schaute. Wir alle hatten unser Zeitgefühl verloren in dieser Nacht. Besser hätte es nicht laufen können!

Wegen solcher Nächte scheint mir die Formulierung so verkehrt. Letztlich bedeutet es doch nur, dass wir unsere Zeit tatsächlich nutzen. Dass wir mit allen Sinnen und vor allem mit dem Verstand im Jetzt sind und unsere Zeit auskosten. Sie fühlen. Was wir vergessen, ist bloß das Ticken der Uhr.
Die Uhrzeit ist doch sowieso dehnbar. Wenn wir gelangweilt sind oder auf eine wichtige Nachricht warten, können Minuten sich anfühlen wie Stunden. Und ehrlich, wenn ich alle Jubeljahre mal versuche ein 10-Minuten-Workout von Pamela zu machen, fühlt sich jede Sekunde an wie eine Ewigkeit in der Hölle. Wenn wir aber fokussiert arbeiten, ein schönes/spannendes Buch lesen, oder gemeinsame Zeit schenken, sind Stunden vergangen, ohne dass wir auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht haben – bis man es eben doch voller Überraschung bemerkt.

Dein Zeitgefühl zu verlieren bedeutet, deine Zeit wirklich zu fühlen. In dem Zusammenhang habe ich neulich eine meiner liebsten Romanfiguren kennengelernt: Meister Hora aka Secundus Minitius Hora (aus Momo).
„[…] denn was die Menschen mit ihrer Zeit machen, darüber müssen sie selbst bestimmen. Sie müssen sie auch selbst verteidigen. Ich kann sie ihnen nur zuteilen.“
Losgelöst vom Buch könnte man glauben, es ginge darum die Zeit effizient zu nutzen, den Tag mit erledigten Aufgaben und Haken auf unseren TO DO Listen zu füllen – die Uhr immer im Blick. Wir alle neigen dazu genau das zu tun. Und in ein paar Jahren fragen wir uns, was wir in dieser Zeit erlebt haben. Erinnern werden wir uns viel mehr an die Momente, die wir mit anderen geteilt haben. Wir erinnern uns an die Zeit, für die es keine Uhr brauchte. Warum sollten wir uns also nicht häufiger in unserer Zeit verlieren?

…Leben.

2 Kommentare zu „Zeit ist…

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: