Genug

Nachdem ich neulich nach meiner Stärke gefragt wurde, habe ich mir viele Gedanken darum gemacht, wie sie sich in vielen kleinen Situationen äußert, oder auch in den großen, den entscheidenden Momenten. Und vor allem Frage ich mich, wieso ich in dem einen Bereich meine Kraft nutze, während ich in einem anderen, der möglicherweise gar nicht so viel davon bräuchte, aufgebe. Wann treffe ich diese Entscheidungen und wonach beurteile ich?

Natürlich entscheiden wir meist unbewusst, oder intuitiv darüber, wo wir unsere Energie am dringendsten benötigen. Muss ich den Geburtstagskuchen fürs Büro noch backen, oder kaufe ich einen und nutze Zeit und Kraft, um doch mal wieder zum Sport zu gehen? Mache ich Überstunden, um bei einem Job Projekt zu glänzen, oder nehme ich mir Zeit, um einer Freundin mein offenes Ohr zu schenken? Kümmere ich mich endlich um die schmutzigen Fenster, oder riskiere ich einen Besuch im überfüllten Möbelhaus, um am Ende doch nur Teelichter zu kaufen? In den seltensten Fällen wäge ich die Vor- & Nachteile gründlich ab und entscheide lieber ganz spontan, aus dem Bauch heraus. Doch es gibt Dinge, die uns auch die letzte Kraft rauben können, wenn wir nicht rechtzeitig die Alternative wählen. Aufgaben, von denen wir glauben sie erledigen zu müssen, die im Grunde gar nicht wichtig sind. Jobs die uns aussaugen, obwohl wir einfach gehen könnten. Menschen, so genannte Energievampire, die gar nicht merken wie toxisch sie für uns sind, denen wir aus einem falschen Pflichtgefühl heraus dann doch nicht aus dem Weg gehen.

Das ist auch alles in Ordnung, so lange man das eigene Ziel nicht aus den Augen verliert. Oftmals bin ich einfach stark, mache weiter, um nicht aufzugeben. Doch ich frage mich manchmal, wann ich nun stark genug war? Wann ist der Zeitpunkt, an dem ich den Kaffee auf hab‚, ich einen anderen Weg wählen darf und einfach mal wieder auftanke oder zumindest weniger meiner Kraft verbrauchen muss? Woran erkenne ich dieses „Genug“ und was muss passieren, damit ich es erkenne?
Es gab mal den Moment, in dem ich es verpasst hatte.
Stark sein! Durchhalten! Nicht aufgeben! Nervenzusammenbruch.
Ich hatte mir geschworen, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Aber geht das? Merke ich im Alltag, während ich wieder die vielen kleinen kraftraubenden Kämpfe austrage, wenn ich genug habe und etwas ändern muss?

Möglicherweise bin ich dahingehend einfach besonders sensibel und setze mein Genug viel zu früh an. Vielleicht ist die Tatsache, dass ich mir diese Gedanken mache aber schon genug. Die wohl wichtigste Frage in Bezug auf alle Entscheidungen ist in meinen Augen folgende: „Macht es dich glücklich?“
Das klingt immer so dahergesagt, aber nur darum geht es. Niemand sollte glauben, dass das Leben immer leicht ist und wir uns nicht stark machen müssen, um glücklich zu sein. Doch macht es in meinen Augen keinen Sinn ein Leben zu führen, in dem ich selbst unglücklich bin, um willkürlich und oft auch fremd gewählten Ansprüchen gerecht zu werden. Letztlich ist Glück eine Wahl, die wir gar nicht oft genug treffen können.

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