Magie

Sind Liebesfilme wirklich schuld an flüchtigen Beziehungen, oder haben wir bloß nicht die richtigen Schlüsse gezogen?

Unsere romantische Erziehung beginnt dank Disney und Co schon sehr früh. Uns wird erzählt, dass das Gute immer siegt, uns die große Liebe beim Waldspaziergang über den Weg läuft und wir sogar Magie entdecken können. Der Gedanke an die wahre Liebe hat für mich tatsächlich etwas Magisches. Und zwar nicht, weil ich sie für unrealistisch, gar utopisch halte. Ganz im Gegenteil. Ich glaube fest daran. Ich empfinde sie als magisch, weil es ihr heutzutage so selten gelingt an die Oberfläche zu kommen.

Wahre Liebe, wie wir sie aus Filmen kennen, kennt keine Alltagsprobleme, keinen Kontostand und auch keine Eitelkeit. Und genau das ist doch unser Problem. Wir sind so geblendet von all dem Reichtum, den wir anstreben, der Schönheit, die wir erhalten wollen und den Ansprüchen, die wir an uns und andere stellen, dass wir dabei vergessen ein wenig Platz für Magie zu lassen. Beziehungen beginnen in der Regel nicht wegen ihrer rationalen Vorteile. Sie sind nicht praktisch. Die Menschen fühlen sich einfach zueinander hingezogen, kommen sich näher, verlieben sich. Ein chemischer Prozess. Oder für Laien wie mich: Magie. Später dann, wenn der erste Zauber verflogen ist und der Alltag einkehrt, kommen die stichfesten Argumente, welche in der Lage sind, Liebe zu verdrängen.
Er lässt seine Socken überall liegen.
Sie kann nicht so gut kochen, wie meine Mutter.
Er schnarcht so laut, dass ich nicht schlafen kann.
Sie könnte sich auch sexier anziehen.
Er hat zu wenig Zeit für mich.
Sie kann sich einen Lifestyle wie meinen nicht leisten.

Es gibt unzählige Gedanken und Argumente, die uns dazu bewegen eine Beziehung zu beenden oder gar nicht erst einzugehen. Unsere Vernunft sorgt dafür. Es könnte ja dort draußen etwas Besseres geben. Ich könnte etwas verpassen. Was sollen die anderen bloß denken. Aber ist das so? Ziehen wir los und lernen tatsächlich jemanden kennen, der besser ist oder besser passt? Oder ist er/sie bloß neu und für den Anfang scheinbar makellos. Ist es nicht so, dass der nächste einfach nur anders ist und irgendwann auch Seiten zeigt, die uns stören?

Vor einigen Jahren hat mir zu dem Thema jemand prompt geantwortet: „Dann bleibe ich halt allein.“ Dieser Satz hängt mir bis heute nach. Ich möchte nicht glauben, dass das die Alternative für uns Menschen ist. Sind wir durch Social Media wirklich so verkommen, dass wir nur das Beste oder gar nichts in unserem Leben akzeptieren? Möchte ich nie wieder essen, solange ich nicht das beste Gericht bekomme? Möchte ich nie wieder lachen, weil es noch bessere Witze gibt? Möchte ich nie wieder lieben, nur weil der Mensch, zu dem ich mich auf magische Weise hingezogen fühle, nicht meinen Vorstellungen vom perfekten Partner entspricht? Nein, ich möchte das ganz große Kino!

Und damit wären wir wieder bei den Lehren der Filmindustrie. Ich bin der Meinung, dass wir die falschen Schlüsse daraus gezogen haben. Es geht nicht darum, dass die Liebe des Lebens plötzlich vor einem steht. Dieser Film wäre schnell erzählt. Baby und Johnny ohne wütenden Vater und drohende Arbeitslosigkeit. Vivian und Edward ohne Statussymbole und Missachtung gewisser Gewerbe. A.J. und Grace ohne Weltraummission. Wir vergessen, wie viel Energie es die Protagonisten nach dem Kennenlernen kostet (und oftmals auch davor). Bloß weil der Film eine Geschichte in rund zwei Stunden zusammenfasst, darf man eines nicht aus den Augen verlieren: Es geht in irgendeiner Form immer darum, mutig zu sein. Wahre Liebe erfordert Mut. Der Mut, sich nicht von der Meinung anderer beeinflussen zu lassen. Mut, all seine ursprünglichen Vorstellungen und Ansprüche zu vergessen und vor allem der Mut, voll und ganz seinem Gefühl und somit der Magie zu vertrauen.

Statt uns also darüber zu beklagen, dass Disney unsere Vorstellung von Liebe zerstört hat, sollten wir uns lieber fragen, wieso wir uns nicht trauen mehr dafür zu tun.

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