Mama

Seine Mama zu lieben bedeutet meist nicht viel mehr, als ihr ab und zu eine Umarmung zu geben. Das reicht ihr. Ihr würde wohl sogar ein Lächeln reichen und das Wissen, dass es ihrem Kind gut geht. Davon gehe ich zumindest aus. Ich bin keine Mama und weiß natürlich nicht wie sich das anfühlt. Aber manchmal braucht es etwas mehr als das. Dieser weise, aufopferungsvolle und vor Liebe überquellende Mensch braucht manchmal auch Hilfe. Ob es um ein Projekt geht, einen Rat oder tatkräftige Unterstützung in einer Welt, die nicht ihre ist. Beim letzten Mal habe ich mir schon viele Gedanken zu dem vermeintlichen Wahnsinn gemacht, den meine Eltern in mir verursachen. Doch so anstrengend und ermüdend es sein kann, seine Eltern nah um sich zu haben, so belebend ist es zugleich, wenn Mamas Blick pure Dankbarkeit ausstrahlt.

Als ich am Muttertag bei ihr war – ich habe sie dem hochhauscafé spontan vorgezogen – und wir gemeinsam bei Kaffee und Kuchen saßen, ist mir mal wieder bewusst geworden, wie dankbar ich für sie bin. Nicht nur, dass ich immer noch der Meinung bin, dass Mamas Kuchen der beste ist. Zu wissen, zu spüren, dass es immer jemanden gibt, der unendlich stolz auf den Menschen ist, zu dem ich mich entwickelt habe. Ganz gleich welchen Blödsinn ich verzapfte, oder wie falsch meine Entscheidungen waren, sogar wenn ich völlig versagte, war sie zumindest immer zuversichtlich, dass ich es wieder richte.

Ich muss dazu sagen, dass ich eine recht strenge Erziehung „genießen durfte“. Es war nicht immer leicht mit polnischen Eltern. Es war ein Zwiespalt zwischen der doch eher traditionellen Sichtweise in Bezug auf Regeln und der lockeren… nennen wir es Richtlinien meiner Freunde. Auf der einen Seite war das schimpfende pubertierende Mädchen, dessen Freunde „es doch auch durften“ und der auf der anderen Seite war die in Polen lebende Großmutter, die nicht verstehen konnte, was eine heranwachsende Frau nachts in der Stadt verloren hat. Streit war in diesen Jahren an der Tagesordnung.

Heute weiß ich, dass sie ihr bestes gegeben hat und es selbstverständlich nicht böse meinte. Sie machte sich Sorgen. Das tut sie noch. Am liebsten würde sie wohl heute noch eine Nachricht von mir bekommen, wenn ich sicher zuhause angekommen bin.
Allerdings merke ich auch, dass wir nach und nach nicht mehr nur Mutter und Tochter sind. Wir werden zu Freundinnen, die ihre Sorgen, Erlebnisse und Geheimnisse teilen. Sie ist eine Freundin, von der ich sicher sein kann, dass kein Streit der Welt und jemals trennen wird. Vielleicht werden wir ab und an noch mit Türen knallen oder sturmartig die Wohnung der anderen verlassen, aber das ist nichts auf Dauer. Wir können einander nicht lange böse sein, egal was ist.

Wann hast du deiner Mama zuletzt gesagt, dass du sie lieb hast? Gestern? Weil Muttertag war? Wenn ich aus dem Wahnsinn der letzten Zeit etwas gelernt habe, dann dass jeden Tag für mindestens 5 Minuten Muttertag sein sollte. Einfach so. Denn es wird niemals einen Menschen geben, der dich mehr liebt.

 

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